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Energie

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Der sparsame und verantwortungsvolle Einsatz von Energie ist unter mehreren Gesichtspunkten das zentrale Thema nachhaltiger Entwicklung.

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Vorbemerkungen


Der sparsame und verantwortungsvolle Einsatz von Energie ist unter mehreren Gesichtspunkten das zentrale Thema nachhaltiger Entwicklung:
- Der Verbrauch fossiler Energieträger beschleunigt den Klimawandel und gefährdet damit nicht nur unsere Ökosysteme, sondern unsere gesamte Zivilisation.
- Fossile Energieträger sind einerseits endlich, andererseits aber unendlich wertvoll und daher für nachfolgende Generationen zu erhalten.
- Nahezu alle menschlichen Bedarfe setzen die Verfügbarkeit von Energie zwingend voraus.
Wenn wir nachfolgenden Generationen ein lebenswertes Leben auf der Erde ermöglichen wollen, müssen wir sofort unseren Bedarf an Energie einschränken und den solchermaßen reduzierten Bedarf überwiegend mit erneuerbaren Energieträgern decken. Darüber hinaus ist der sparsame und verantwortungsvolle Einsatz von Energie aber auch ein Gebot der ökonomischen Nachhaltigkeit: Die Einsparung von Energie bedeutet zugleich eine Einsparung an Kosten und kann damit zu Wettbewerbsvorteilen führen.

I. Empfehlung



(1) Die ökologisch, ökonomisch und sozial beste Form des Umgangs mit Energie ist deren Einsparung.

(2) Einsparungen führen dann zu einer Verminderung des Energieverbrauchs, wenn sie absolut sind und nicht relativ zur Wirtschaftsleistung. Wir empfehlen allen Unternehmen, ihren Energieverbrauch kontinuierlich so abzusenken, dass sie jedes Jahr absolut weniger Energie verbrauchen als im jeweils vorangegangenen Jahr.

(3) Alle Prozesse – von der Produktplanung über den Einkauf von Rohstoffen, die Herstellung bis hin zur Distribution – sind so zu gestalten, dass sie möglichst wenig Energie benötigen.

(4) Die energetische Optimierung aller Prozesse schließt Energieeffizienzberatungen nach anerkannten Standards ein. Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland erhalten hierfür von der Kreditanstalt für Wiederaufbau Zuschüsse von 60-80%.

(5) Unternehmen, die nachhaltige Entwicklung fördern wollen, halten ihre Mitarbeiter zum energiebewussten Handeln an und motivieren zu Prozessen, die Energie einzusparen helfen. Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland erhalten für Beratungen und Schulungen mit diesen Inhalten vom Europäischen Sozialfonds Zuschüsse bis zu 50%.

(6) Energie ist überwiegend aus regenerativen Quellen zu nutzen. Regenerative Quellen sind Sonnen-, Wind- und Wasserkraft oder Kraft aus Biomasse. Die Nutzung selbst hergestellter Energie aus regenerativen Quellen hat Vorrang gegenüber dem Bezug von Energie aus regenerativen Quellen. Generell gilt: Wer nicht Energie aus regenerativen Quellen nutzt, verstößt gegen elementare Anforderungen nachhaltigen Wirtschaftens.

(7) Wer Energie einsparen möchte, muss sich bei jeder Anschaffung und jeder Tätigkeit fragen, ob sie (a) erforderlich ist und ob es (b) zu ihr energiesparende Alternativen gibt.

(8) Im Zusammenhang mit der Gebäudenutzung spielen deren energieeffiziente Errichtung oder Sanierung, die Verwendung natürlicher Baustoffe, die Koppelung mit Anlagen zur Erzeugung oder Nutzung regenerativer Energien besondere Rollen. Ziel der nachhaltigen Gebäudenutzung ist es, mehr Energie zu erzeugen als durch den Betrieb des Gebäudes benötigt wird.

(9) Auch im Zusammenhang mit Transport, Mobilität und Logistik gilt es, die Inanspruchnahme von Energie absolut zu vermindern. Neben Energieeffizienz und dem Einsatz erneuerbarer Energieträger (Elektromobilität) spielen hier namentlich die Verlagerung von Transporten und Fahrten auf die Schiene, die Vermeidung unnötiger Fahrten und Transporte sowie die Förderung der Heimarbeit besondere Rollen.

(10) Die Nutzung von Energie ist – unmittelbar oder mittelbar – mit der Entstehung von Treibhausgas-emissionen verbunden. Wir empfehlen allen Unternehmen, ihre Treibhausgasemissionen zu ermitteln und durch die Stilllegung von Emissionsrechten auszugleichen. Die Ermittlung und der Ausgleich von Treibhausgasemissionen sind gegenüber der Einsparung von Energie jedoch nachrangig.


II. Details, Links und Ansprechpartner


Die Industrien, die wir mit dieser Empfehlung ansprechen, sind zu verschieden, als dass wir über die allgemeinen Empfehlungen unter I. hinaus Maßnahmen von Allgemeingültigkeit empfehlen könnten. Wir raten allen Adressaten dieser Empfehlung jedoch, ihre individuellen Möglichkeiten zur Herstellung und Einsparung von Energie sowie deren effizienter Nutzung durch fachkundige Beratung und eine Auseinandersetzung mit ihren Lieferanten und Kunden zu ermitteln. Ansprechpartner für die verschiedenen Themen, die für die Nutzung von Energie eine Rolle spielen, sind:

Förderung von Energieeffizienz und eigener Herstellung von Energie auf regenerativer Basis
Ansprechpartner für Energieeffizienz, den Einsatz von Energie und die Herstellung von Energie auf der Basis regenerativer Energieträger sind in erster Linie Energie- und Energieeffizienzberater. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gewährt kleinen und mittleren Unternehmen (bis 250 Mitarbeiter sowie bis € 50 Mio. Jahresumsatz oder € 43 Mio. Bilanzsumme) einen Zuschuss von 80% der Kosten einer Initialberatung und von 60% der Kosten einer Detailberatung.

Wichtig: Eine Energieeffizienzberatung ist nur förderfähig, wenn sie durch Berater erfolgt, die bei der KfW akkreditiert sind.

Auch Investitionen, die im Kontext der energetischen Optimierung getroffen werden, sind in großem Umfang durch Zuschüsse und Darlehen förderfähig. Dies gilt nicht nur für die Herstellung von Anlagen zur Erzeugung von Energie auf der Basis regenerativer Quellen, sondern z.B. auch für die Anschaffung von energieeffizienten Fahrzeugen. Unternehmen, die ökologisch vorbildlich handeln wollen, können durch die Inanspruchnahme der Fördermöglichkeiten auch ökonomische Vorteile erzielen. Bitte informieren Sie sich hier bei der KfW:

- Detailinformationen der KfW zu Energieeffizienz und Umweltschutz im Unternehmen:
http://www.kfw.de/kfw/de/Inlandsfoerderu.../index.jsp
- Detailinformationen der KfW zu erneuerbaren Energien:
http://www.kfw.de/kfw/de/Inlandsfoerderu.../index.jsp

Innerbetriebliche Beratungen und Schulungen sowie deren Förderung
Über diese speziellen Aspekte der Herstellung und Nutzung von Energie im Unternehmen hinaus gibt es zahlreiche weitere Maßnahmen, die ein Unternehmen treffen kann, um Energie einzusparen. Beispielhaft erwähnt seien an dieser Stelle beliebige Prozessänderungen oder die Schulung der Mitarbeiter oder Lieferanten.

Auch für Beratungen und Schulungen mit diesem Inhalt gibt es für kleine und mittlere Unternehmen Fördermöglichkeiten: KMU nach der obigen Definition können bis zu 50% der Kosten für entsprechende Beratungen und Schulungen, maximal jedoch € 1.500 je Beratung oder Schulung, als Zuschuss erhalten. Die Zuschüsse speisen sich aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), die Antragstellung erfolgt über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Wichtig: Schulungen und Beratungen, die solchermaßen gefördert werden sollen, müssen durch Berater erfolgen, die beim BAFA registriert sind oder sich im Zuge der Beratung erfolgreich beim BAFA registrieren.

Unternehmen, die sich für entsprechend geförderte Beratungen oder Schulungen interessieren, empfehlen wir die weiterführenden Informationen des BAFA:
http://www.beratungsfoerderung.info/bera...index.html

Optimierung industriespezifischer Prozesse sowie Materialauswahl
Energie lässt sich vor allem auch durch die Optimierung von Prozessen und die damit einher gehende Vermeidung von Verschwendung einsparen. Hierzu dienen vor allem auch Industriestandards wie z.B. der Prozessstandard Offset (PSO), die jedoch nur dann ihre Wirkung entfalten können, wenn sie richtig implementiert und auch in der täglichen Unternehmenspraxis gelebt werden.

Ansprechpartner für die Optimierung Ihrer Prozesse anhand solcher Standards sind die jeweiligen Prozessberater und -zertifizierer sowie die Branchenfachverbände. Nutzen Sie das Verbesserungs- und Einsparpotenzial, das Sie mit Hilfe der Standards realisieren können.

Bei der Optimierung der betriebsinternen Prozesse spielt die Materialauswahl eine zentrale Rolle, da Energie nicht nur im jeweiligen Unternehmen selbst, sondern auch durch vorgelagerte Prozesse und namentlich bei der Herstellung von Verbrauchsmaterialien benötigt wird. Wiederverwendete und rezyklierte Materialien sind vorrangig gegenüber neu hergestellten zu verwenden, da die Wiederverwendung und Rezyklierung von Materialien weniger Energie in Anspruch nimmt als deren Neuherstellung. Bei der Herstellung von Druckprodukten ist, wie dies bereits in der Beiratsempfehlung „Verwendung grafischer Papiere (Version 1.0)“ festgestellt wurde, Recyclingpapier gegenüber Frischfaserpapier unbedingt vorzuziehen. Details hierzu lesen Sie hier:
http://www.mediamundo.biz/beirat/empfehlungen#1.

Optimierung logistischer Prozesse, namentlich Verkehr
Energie kann vor allem durch die Optimierung logistischer Prozesse eingespart werden. Dies betrifft nicht nur die Verteilung von Produktionen an die Kunden des jeweiligen Unternehmens, sondern beginnt bereits bei der Beschaffung. Auch hier sind – neben Kunden und Lieferanten – vor allem Prozessberater die richtigen Ansprechpartner.

Für Fragestellungen rund um nachhaltige Verkehrs- und Transportlösungen hält EURIST e.V. wertvolle Informationen bereit – ein gemeinnütziger Verein, der sich vor allem um nichttechnische Lösungsansätze rund um Transport und Verkehr sorgt. Sie finden die Webseite des Vereines mit weiterführenden Informationen unter http://eurist.info/

Besondere Beachtung verdient die lesenswerte Empfehlung von EURIST e.V. über nachhaltige Mobilität, die Sie hier in deutscher und englischer Sprache herunterladen können:
http://eurist.info/downloads/publications-flyer/ (PDF, 696 KB). EURIST verfolgt die Trias Verkehr (1) zu vermeiden, (2) zu verlagern und (3) zu verbessern. Ihre betriebliche Auseinandersetzung mit Mobilität sollte diese Reihenfolge beherzigen:

Priorität hat die Vermeidung von Mobilität. Unternehmen, die dieses Ziel verfolgen, sollten unter anderem auch die Möglichkeiten prüfen, die sich ihnen durch Videokonferenzen und Heimarbeit bieten.

Wichtige Mittel der Verlagerung von Verkehr sind innerbetriebliche Vorschriften zur Nutzung von Verkehrsmitteln für Reisen (Stichworte: Priorisierung von Bahnreisen, Verbot innerdeutscher Flugreisen) sowie die Ausstattung der Mitarbeiter mit BahnCards oder Monatskarten für den öffentlichen Personennahverkehr.

Im Kontext der Verbesserung von Mobilität ist die Umstellung auf energieeffizientere Fahrzeuge oder Fahrzeuge mit neuen Antriebskonzepten (E-Mobilität) der Erwähnung wert. Derlei Verbesserungen lassen sich ideal in Fuhrparkrichtlinien einpassen. Wie bereits weiter oben ausgeführt, sind solche Anschaffungen grundsätzlich mit Mitteln der KfW förderfähig.

Umstellung auf Ökostrom
Entgegen der Meinung zahlreicher Akteure ist der Bezug von Energie aus regenerativen Quellen lediglich die Minimalanforderung an den nachhaltigen Umgang mit Energie. Sie erfordert keine Prozessveränderungen, bewirkt keine Einsparung an Energie und ist in Kürze erledigt. Gleichwohl beziehen viel zu viele Unternehmen – auch solche, die von sich behaupten, nachhaltig zu wirtschaften – heute noch Energie aus fossilen und nuklearen Quellen.

Der Umstieg auf Ökostrom ist eine Selbstverständlichkeit. Informationen zu diesem wichtigen Thema sind allerorts verfügbar, ein lesenswertes Hintergrundpapier hält das Umweltbundesamt (UBA) bereit: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/4350.html (PDF, 1,9 MB). Bitte achten Sie im Zusammenhang mit dem Umstieg auf Ökostrom darauf, dass Sie zu einem Anbieter wechseln, der auch in Neuanlagen zur Erzeugung von Energie auf regenerativer Basis investiert. Eine Anleitung für den Umstieg auf Ökostrom finden Sie z.B. hier:
http://www.atomausstieg-selber-machen.de/

Wichtig: Wenn Sie bei Energieversorgern Angebote über Ökostrom einholen, benötigen Sie in aller Regel ein sogenanntes Lastprofil, also Ihren täglichen Bedarf an Energie in der Darstellung des Zeitverlaufs.

Ermittlung der Treibhausgasemissionen eines Unternehmens und deren Ausgleich
Der Verbrauch von Energie geht einher mit Treibhausgasemissionen. Nach allen Bemühungen um die Einsparung von Energie, deren effizienten Einsatz und die Umstellung auf Ökostrom sollten Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften wollen, diesem Umstand durch die Ermittlung und den Ausgleich von Treibhausgasemissionen mittels Emissionsrechten Rechnung tragen.

Für die Ermittlung der Treibhausgasemissionen Ihres Unternehmens wenden Sie sich an die hierauf spezialisierten Einrichtungen und Beratungsunternehmen. Für eine Selbstermittlung Ihrer Treibhausgasemissionen steht Ihnen derzeit beispielsweise der kostenfreie Emissionsrechner der gemeinnützigen KlimAktiv GmbH zur Verfügung, der mit Unterstützung des Bundesumweltministeriums geschaffen wurde: https://klimaktiv.climate-balance.de/de_DE/page/start/

Den wirksamen Ausgleich Ihrer Treibhausgasemissionen nehmen Sie durch die Anschaffung und Stilllegung von Emissionsrechten vor. Diese Emissionsrechte entsprechen entweder den Vorschriften der Vereinten Nationen (CER) oder orientieren sich hieran (VER und andere Standards). Besonders empfehlenswert sind Emissionsrechte, die durch die Stiftung The Gold Standard zertifiziert wurden. Informationen hierzu finden Sie unter http://www.cdmgoldstandard.org/

Hinweis: Spenden für Aufforstung, Renaturierung, Waldschutz und ähnliche ökologisch sinnvolle Zwecke sind nützlich, weil sie dazu beitragen, die CO2-Speicherleistung von Forsten und Mooren zu erhöhen. Diese können zusätzlich zum Emissionsausgleich getroffen werden, ersetzen diesen aber nicht.

Im Übrigen gelten im Zusammenhang mit der Ermittlung und dem Ausgleich von Treibhausgasemissionen die Inhalte der Beiratsempfehlung „Vorgehensweise klimakompensierte Druckproduktion (Version 1.0)“ von Media Mundo entsprechend. Diese finden Sie hier:
http://www.mediamundo.biz/beirat/empfehlungen#2