Energiewende – Chance und Herausforderung

Elektroautos von Ökostrom angetrieben, Null-Emissions-Gebäude und Energiestädte – von dieser rosigen Zukunft ist Deutschland noch weit entfernt. Dennoch zeichnet sich eine tatsächliche Wende nicht nur auf dem politischen Papier, sondern auch in den Industrien und privaten Haushalten ab.

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Dass die Energiewende die richtige Entscheidung ist, steht außer Frage. Dennoch gilt es zunächst, sich zu orientieren, wohin der Weg führen soll und ob es sich dabei um die richtige Richtung handelt. Begonnen hat die politische Diskussion schon sehr früh. 2001 wurde mit dem Ausstiegsbeschluss aus Kernenergie bis Mitte der 2020er Jahre durch die Rot-Grüne-Regierung der erste notwendige Grundstein gelegt. Alternative Konzepte gab es dabei aber noch nicht. Diese wurden erst mit dem Energiekonzept aus 2010 geboten. Darin wurde die nukleare Erzeugung als Brücke in eine Zukunft mit erneuerbaren Energien verstanden. Die Laufzeiten der Atomkraftwerke wurden um 12 Jahre verlängert. Es wurde die Kernbrennstoffsteuer sowie die Energie- und Klimafonds ins Leben gerufen, in welche Kernkraftbetreiber einzahlen müssen.

Und dann kam die Katastrophe in Fukushima und änderte Anfang 2011 das gesamte Bild. Der Atomausstieg wurde zu einem drängenden Problem, auf das die Politik reagierte. Einige der Kernkraftwerke wurden sofort ausgeschaltet. Die Gelder aus den Energie- und Klimafonds sollen den schnellen Atomausstieg finanzieren. Der nachhaltige Klimaschutz in Form von erneuerbaren Energien soll unterstützt werden. Planungs- und Genehmigungskonzepte wurden neu formuliert. Moderne konventionelle Kraftwerke, namentlich auf Basis von Erdgas und Kohle, sollen gebaut werden. Auch Modernisierungskonzepte für Letztere ist Bestandteil der Energiewende. Wie weit man damit gekommen ist, darüber streiten sich die Geister. Momentan bewegt sich zumindest relativ wenig.

Inhaltsverzeichnis


neues Media Mundo-Beratungsprojekt: Energieeffizienz und Ökostrom
Die Kraft der Sonne, des Windes und des Wassers
CO2-Bilanzen
Vernetzungsprobleme und Speicherkapazitäten
Fossile Energien
Die Gefahren der Kernenergie
2.000-Watt-Gesellschaft
Ökostrom-Zertifikate
Linkliste


neues Media Mundo-Beratungsprojekt: Energieeffizienz und Ökostrom

Die Media Mundo-Initiative startet mit der Initialberatung zu Energieeffizienz und Ökostrom ein neues Projekt, das die Umgestaltung der Medienbranche zur Nachhaltigkeit weiter vorantreibt.
Die Steigerung der Energieeffizienz hat gleich einen zweifachen Nutzen. Zum einen wirkt sie sich positiv auf den ökologischen Fußabdruck von Produkten und Produktion aus. Damit können Unternehmen der grafischen Industrie ihrer Umweltverantwortung ebenso effektiv wie bequem gerecht werden. Zum anderen spart sie auch wertvolle Ressourcen im Sinne des ökonomischen Prinzips.

Um speziell im Umfeld der Kommunikationsindustrie vorhandene Potenziale zu identifizieren und den konkreten Nutzen von Energieeffizienzmaßnahmen und Ökostrom zu kommunizieren, hat die Media Mundo-Initiative in Kooperation mit BLUENORM GmbH, ClimatePartner Deutschland GmbH und NaturEnergie AG das Projekt „EnergieEffizienz und Ökostrom“ ins Leben gerufen.
Weiterführedne Infos: http://www.mediamundo.biz/energie/energieeffizienz
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Die Kraft der Sonne, des Windes und des Wassers

Im direkten Vergleich der konventionellen zu den erneuerbaren Energien wie Sonnenergie, Wasser- und Windkraft liegen die Vorteile klar auf der Hand: Sie stehen unbegrenzt zur Verfügung und haben deutlich weniger schädliche Umweltauswirkungen.

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Die jährliche Energiemenge, welche die Sonne in Form von Strahlung abgibt, übersteigt bereits die in sämtlichen noch vorhandenen Ressourcen fossiler Energieträger gespeicherte um das Zehnfache. Und Sonnenlicht steht unbegrenzt und grenzenlos zur Verfügung. Jeder Staat kann unkontrolliert, kostenlos und frei über diese Energiequelle verfügen. Auf der anderen Seite ist die Nutzung von Sonnenenergie durch Witterung und Jahreszeiten eingeschränkt. Im Winter, wenn der Energieverbrauch prinzipiell ansteigt, ist Sonnenenergie knapp. Das gleiche gilt für Regenwetter. Auch lassen sich die Strahlung respektive die freigesetzte Energie nur sehr schlecht speichern.
Wind entsteht durch Erdrotation oder durch Druckunterschiede, die sich ergeben, wenn erwärmte Luft aufsteigt und kalte Luft nachfließt. Das ist zum Beispiel durch verschiedene Intensitäten an Sonneneinstrahlung oder durch Temperaturunterschiede zwischen Küste und Meer der Fall. Analog zur Sonnenenergie steht der Wind zur freien Nutzung zur Verfügung, unterliegt aber auch ähnlichen Beschränkungen. Wind entsteht nur bei bestimmten Wetterbedingungen, ist also weder gleichmäßig verteilt noch gleichmäßig stark. Auch ist selbst bei modernsten Windkraftanalagen der Effizienzgrad noch recht gering. Gravierender aber ist, dass Wind nicht konsequent über längere Zeit gespeichert werden kann. Die einzige Möglichkeit der Speicherung bieten Pumpspeicherkraftwerke, bei denen mithilfe der gewonnenen Energie Wasser hinaufgepumpt wird, dass bei Bedarf wieder hinabgelassen werden kann und mittels Turbinen und Generatoren in elektrische Energie umgewandelt wird. Der große Nachteil solcher Pumpspeicherkraftwerke ist der geringe Wirkungsgrad, da zu viel Energie beim Abpumpen verloren geht.

Ein sehr großes Potenzial birgt die Wasserkraft. Fließt Wasser aus höher gelegenen Regionen hinab, entsteht zum einen kinetische Energie und zum anderen mechanische und Reibungsenergie. Um große Seen und Flüsse nicht zu sehr durch Begradigungen und Staudämme zu belasten, was wiederum gravierende Auswirkungen auf die Unterwasserwelt und die Uferregionen haben kann, liegt die Zukunft sicherlich auch im Meer. Gezeitenkraftwerke nutzen beispielsweise den Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut, während bei Wellenkraftwerke die Turbinen durch die Wellenbewegung angetrieben werden. Letztere werden aufgrund der technologischen Entwicklung schon bald in Bezug auf die Preise zu Energien aus herkömmlichen Entwicklungen konkurrenzfähig sein. Ein großes Problem stellen noch größere Stürme dar, die in der Vergangenheit schon entsprechende Anlagen zerstört haben. Schließlich kann auch durch die unterschiedliche Dichte zwischen Salz- und Süßwasser Druck erzeugt werden, der in Osmose-Anlagen in elektrische Energie umgewandelt wird.
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Ökostrom-Zertifikate

GrünerStromLabel: Das Label garantiert Investitionen in Ökostrom, da vom Strompreis für eine Kilowattstunde zumindest ein Cent in den Aufbau neuer Anlagen zur Nutzung von erneuerbaren Energien fließt. Es gibt das DSL Gold, wenn der Strommix aus 100%, und DSL Silber, wenn der Strommix zumindest aus 50% erneuerbaren Energien und maximal 50% aus Kraft-Wärme-Kopplung mit fossilen Brennstoffen besteht.
ok-power: Das Label garantiert den „zusätzlichen Umweltnutzen“ der ausgezeichneten Ökostromprodukte. Das heißt, der konkrete Verbrauch führt zur Ausweitung der Erzeugung von erneuerbaren Energien, die nicht staatlich gefördert wird. Zusätzliche Bestandsanlagen durften also nicht mit öffentlichen Mitteln gefördert worden sein. Beim Händlermodell kommt 33% des Stroms aus Neuanlagen und weitere 33% aus Bestandsanlagen, die nicht älter als 12 Jahre sind. Beim Fondsmodell werden durch einen Aufpreis Neuanlagen gefördert. Prinzipiell müssen zumindest 50 % aus erneuerbaren Energien und maximal 50% aus Kraft-Wärme-Kopplung mit fossilen Brennstoffen stammen.
RECS: Das Label dient als Herkunftsnachweis und bildet lediglich den Umweltvorteil ab, der bei einer Megawattstunde umweltfreundlich erzeugter Energie entsteht. Mit den Nachweisen kann das Qualitätskriterium "Öko" auch auf Strom aus konventionellen Kraftwerken wie Atom- oder Kohlekraftwerke übertragen werden. Zum Beispiel kann ein Wasserkraftwerk für seinen Strom, den es nicht als Ökostrom verkaufen möchte, ein Zertifikat erlangen und an einen Atomkraftwerkbetreiber verkaufen, der seinen Strom dann mit dem „Öko“-Etikett veredeln darf. Deshalb wird dieses Label von vielen Umweltorganisationen als Greenwashing kritisiert.
TÜV-Zertifikate: Der TÜV-Süd bietet Kriterienkataloge an, nach denen sich Stromanbieter bzw. Stromerzeuger zertifizieren lassen können. Auch der TÜV-Nord verleiht Zertifikate an Stromanbieter, wenn diese die vorhandenen Kriterien erfüllen.
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Vernetzungsprobleme und Speicherkapazitäten

Bereits 2020 soll laut Zielen der Energiepolitik der Bundesregierung der Energiemix zu 35% aus erneuerbaren Energien bestehen. Und das ist keineswegs eine illusorische Vorstellung. In den kommenden neun Jahren müssen lediglich weitere 15% aus regenerativen Energiequellen dazukommen. Die jetzigen 20% stammen überwiegend aus Wind- und Biomasse. Die Anteile aus Wasserkraft und Photovoltaik sind noch vergleichsweise gering, wobei die Wasserkraft mit drei Prozent schon grundlastfähig ist und vor allem zur Stabilität beiträgt. Interessant ist, dass an einem durchschnittlichen Tag mit Erneuerbaren bereits bei 60 Gigawatt Kraftwerksleistung gewonnen werden. Das bedeutet, dass an manchen Tagen, an denen der Wind weht und die Sonne scheint, Deutschland heute schon komplett aus Erneuerbaren versorgt werden könnte. Damit sind erneuerbare Energien im Stromnetz eine relevante Größe, die mit einer Positivwirkung, aber auch mit gewissen Schwierigkeiten behaftet ist.

Für die Energiewirtschaft stellt sich vor allem die große Frage, wie es mit dem Netzausbau weitergeht. So muss Energie aus dem windstarken Norden zu den Verbrauchsschwerpunkten im Süden geleitet werden können. Laut aktueller Studie der Bundesnetzagentur ist der Ausbaubedarf der bundesweiten Netze bis 2020 bei ungefähr 3600 km angekommen. Ein Beispiel belegt die Dringlichkeit: Im letzten Jahr sollte ein Offshorewindpark ans Netz gehen, der nun die Windräder tatsächlich mit fossilen Brennstoffen betreibt, damit sie sich überhaupt drehen und nicht einrosten. Es konnte schlichtweg deshalb nicht produziert werden, weil keine Leitung vorhanden war. Der Netzausbau muss der sehr schnell fortschreitenden Entwicklung des Kraftwerksbaus Schritt halten können. Das kostet eine Menge Geld und eine Menge Vorarbeit an Planung, Genehmigungen und Beteiligung der Bürger. Strom aus Erneuerbaren begrüßt zwar jeder, doch nicht die Netztrasse vor dem Haus. Die Variante der Stromleitung durch Erdkabel ist demgegenüber verhältnismäßig teuer. Mit Isolation und Sicherheitsmaßnahmen nimmt die Verlegung der Höchstspannungskabel durchaus die Dimension eines U-Bahn-Baus an. Die Kostenschätzungen gehen jetzt schon bis zu 55 Milliarden.

Zudem besteht die Notwendigkeit, mit fluktuierenden Energien entsprechend anders umzugehen. Die Erzeugung kann nicht gesteuert werden kann. 30 Gigawatt Netzlast sind heute vorhanden, wenn die Sonne scheint und der Wind weht, aber morgen vielleicht nicht. Trotzdem wird der Strom gebraucht. Der erste Winter nach der Energiewende hat zwar nicht das viel beschworene Chaos verursacht, aber es kam schon zu einigen kritischen Situationen im Übertragungsnetz. Hier sind innovative Speicherlösungen gefragt. Es gibt bislang noch keine Technologie, welche sowohl die richtige Geschwindigkeit als auch die richtige Kapazität vorweisen kann. Grund ist sicherlich, dass noch die finanziellen Anreize fehlen. Knappheitsszenarien und damit Preisänderungen bei Rohstoffen wie Öl und Gas haben keine Auswirkungen auf die Strompreise. Die reinen Energiepreise befinden sich eher auf dem Rückzug.

Deswegen werden Lösungen innerhalb des europäischen Verbunds gesucht. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, dass Atomstrom aus Frankreich bei Bedarf importiert und im Gegenzug dazu der grüne Strom aus Deutschland bei optimalen Wetterbedingungen exportiert wird. Noch halten sich Import und Export die Waage, doch tendenziell wendet sich das Blatt eher zum Import. Es erfolgen auch keine Investitionen in konventionelle Kraftwerke. Es gibt genug Pläne, aber diese werden entweder verschoben oder ad acta gelegt, weil die Einsatzzeiten für Kohlekraftwerke von 4.000 bis 5.000 Stunden im Jahr nicht mehr absehbar sind.
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CO2-Bilanzen

Für die Verminderung schädlicher Treibhausgase ist das Thema Energieeffizienz ein zentraler Faktor. Hinter dem viel zitierten Begriff steht nichts anderes als eine Erhöhung der Energieproduktivität. Es ist die klare Intention seitens der Politik, das Wirtschaftswachstum aufrechterhalten, zumindest in einem Prozentbereich, der für die Sicherung von Arbeitsplätzen wichtig ist, und gleichzeitig den Energieumwand davon abzukoppeln, so dass pro eingesetzte Leistung an Energie eine höhere wirtschaftliche Leistung herauskommt.

Die Produktivität soll im Vergleich zum Jahr 1990 bis 2020 verdoppelt werden. Zu diesem Zeitpunkt wurde die DDR-Industrie abgewickelt, die damals noch kräftig CO2 produziert hat. Deshalb wurden zunächst schnelle Fortschritte erzielt. Seit 2000 steigt die Produktivität im Jahresdurchschnitt aber lediglich um 1,1%. Dieser Wert muss also noch deutlich ansteigen, um die Zielsetzung der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zu erfüllen. Es wird von einer jährlichen Steigerung von 3,7% ausgegangen. Das lässt sich nur über eine Verbesserung der Energieeffizienz realisieren.

Eines der Szenarien, welche die Bundesregierung 2010 gerechnet hat, beruht auf der Annahme, dass die Energieproduktivität beim bisherigen Trend belassen wird. Die erneuerbaren Energien würden zwar weiter ausgebaut, aber nur einen Anteil von 30% am Strommix ausmachen. Dann würde der Energieverbrauch tendenziell leicht ansteigen. Signifikant wäre dagegen der Ausbau der Kohlekraftwerke, die zunehmend das übernehmen, was an Kernkraftkapazität wegfällt. Demgegenüber steht ein weiteres Szenario, bei dem sowohl die Kraftwerke als auch die Anwendungen effizienter funktionieren. Die Produktivität steigt an und die Anteile der Erneuerbaren lägen bei 35%. Das ginge nicht nur zu Lasten der Kohlekraftwerke, auch wäre bis spätestens 2025 die Kernenergie ganz von der Bildfläche verschwunden. Schaut man sich nun die CO2-Bilanzen beider Varianten an, dann steht der Emission von 310 Millionen Tonnen in der ersten eine Emission von 170 Millionen Tonnen in der zweiten gegenüber. Das belegt eindeutig, welchen Stellenwert die Energieeffizienz letztendlich hat.
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Fossile Energien

Weniger gefährlich, dabei aber umwelt- und klimaschädlich sind fossile Energieträger. Entstanden sind diese aufgrund verschiedener biologischer und chemischer Veränderungsprozesse aus luftdicht und unter hohem Druck und großer Hitze eingeschlossenen Kleinstlebewesen und Pflanzen. Somit haben sie seit der geologischen Vorzeit konzentrierte Sonnenenergie in Form von Kohlenstoff gespeichert. Diese Energie wird bei der Verbrennung mit Sauerstoff frei und entweder direkt zur Wärmeerzeugung oder in Kraftwerken zur Erzeugung elektrischer Energie genutzt.

Der wichtigste Energielieferant ist das Erdöl. Rund 40% Prozent der weltweit benötigten Energie wird aus Erdöl gewonnen. Und so ist auch die Macht der Erdöl fördernden Länder in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Auch das Erdgas, das überwiegend aus dem brennbaren Methan besteht, wird zur Stromversorgung genutzt. Es zählt auch zu den umweltfreundlicheren Varianten, da es einen hohen Wirkungsgrad hat und ohne Rückstände verbrennt. Es überwiegt jedoch nach wie vor die Verwendung von Erdgas zur Heizwärme. Ein weiterer wichtiger fossiler Energieträger ist die Kohle. 2003 wurden weltweit 24,4% des primären Energiebedarfs durch Kohle gedeckt. Während die 50 Millionen Jahre alte Braunkohle aufgrund ihrer geringen Dichte einen ziemlich schlechten Brennwert aufweist, ist das bei der 250 Millionen Jahre alte Steinkohle anders. Der Kohlenstoffanteil liegt zwischen 40% und 90%. Dennoch ist der Wirkungsgrad im Vergleich zu Erdöl geringer, da Kohle bei niedrigeren Temperaturen verbrennt. Die Steinkohle trägt aber zumindest zum Teil zu einer größeren Unabhängigkeit von den erdölfördernden Nationen bei.

Der hohe Anteil an Kohlenstoff ist neben der Ressourcenknappheit bei sämtlichen fossilen Energien gleichzeitig auch der größte Nachteil. Denn Kohlenstoff reichert sich nach der Verbrennung als CO2 in der Atmosphäre an. Dabei ist die Braunkohle mit 3,25 Tonnen CO2 pro verbrannte Einheit der größte Verursacher von Treibhausgasemissionen, während Erdgas mit 1,5 Tonnen CO2 pro verbrannte Einheit am wenigsten schadet. Der CO2-Ausstoß von Kohlekraftwerken liegt im Durchschnitt bei 1,3 kg pro Stunde oder 950 g CO2 pro Kilowattstunde (Steinkohle). Durch immer neue Technologien und Verfahren, wie etwa die Wirbelschichtfeuerung bei der Steinkohle, werden die Umweltauswirkungen fossiler Energieträger abgemildert, dennoch beträgt der Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken durchschnittlich nur etwa 31%. Dies liegt auch daran, dass ein großer Teil der gewonnenen Energie lediglich das Kühlwasser aufheizt.
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Die Gefahren der Kernenergie

Nukleare Brennstoffe sind Plutonium, das als Abfallprodukt bei der Wiederaufbereitung von Uran entsteht und auch künstlich erzeugt werden kann, sowie das Schwermetall Uran. Beides haben als radioaktive Stoffe sehr instabile Kerne. Diese Eigenschaft lässt sich zur Stromerzeugung nutzen, da durch die Spaltung der schweren in leichtere Kerne die Bindungsenergie der Atome freigesetzt wird. Reines Uran ist nur schwer zu finden und muss zudem erst angereichert werden, damit die Konzentration für die Energiegewinnung ausreichend ist. Dennoch stehen die nuklearen Brennstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung, da sie für die Menschheit ansonsten keinerlei Wert haben. Das unterscheidet sie von den fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Deren Nutzung als Energieträger erschöpft diese Ressourcen, so dass die weltweiten Reserven in einem absehbaren Zeitrahmen verbraucht sein werden. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass Kohle in etwa 200 Jahren aufgebraucht sein wird. Die Knappheit von Erdöl nimmt jetzt schon bedrohliche Maße an. Heutiger Verbrauch vorausgesetzt reichen die Erdölquellen nur noch gut 30 Jahre. Deshalb galt die Atomenergie seit dem Bau des ersten Kernkraftwerks in Obninsk 1954 bis weit in die 80er Jahre als günstige und praktikable Alternative, deren Erzeugung zudem noch umweltschonender ist als die von fossilen Energien.

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Diese Annahmen sind allerdings nicht haltbar. Die Umweltauswirkungen sind selbst bei störungsfreiem Betrieb gravierend. So werden große Mengen der knappen Ressource Wasser benötigt, um die Brennstäbe zu kühlen. Das gleiche gilt für die Turbinen, welche den elektrischen Strom durch heißen Wasserdampf erzeugen. Hinzu kommt, dass die Ableitung des erwärmten Wassers in Flüsse und Seen deren biologisches Gleichgewicht kräftig durcheinanderwirbeln. Auch die Betriebskosten der Atomkraftwerke sind empfindlich höher als die der herkömmlichen. So günstig, wie ursprünglich vermutet, ist die Atomenergie also bei Weitem nicht. Die Stromgestehungskosten sind laut einer Studie vom Massachusetts Institute of Technology im Zeitraum von 2003 bis zu einer Aktualisierung im Jahr 2009 von etwa 4,6 Cent für eine Kilowattstunde bis auf 5,8 Cent gestiegen. Demnach bietet die Atomenergie gegenüber den fossilen Energieträgern keine Kostenvorteile. Hinzu kommt das Problem der Endlagerung, da allein der Zerfall von Uran schädliche Auswirkungen auf die Umwelt hat. Eine endgültige und vor allem sichere Lösung zeichnet sich trotz der nun schon ein halbes Jahrhundert dauernden regen Nutzung bei Weitem nicht ab.

Trotzdem bildete sich erst in den 70er Jahren mit der Anti-Atomkraft-Bewegung erster nennenswerter Widerstand in Deutschland. Die kritischen Stimmen wurden dann noch lauter, als es 1979 im US-amerikanischen Atomkraftwerk Three Miles Island zu einer partiellen Kernschmelze kam. Dem setzte der katastrophale Unfall in Tschernobyl am 26. April 1986 dann die Krone auf. Bei einem Versuch, der beweisen sollte, dass trotz einer Abschaltung des Reaktors im Fall eines vollständigen Stromausfalls noch genügend Energie zu einer ausreichenden Stromversorgung zur Verfügung stünde, kam es zu einer Kernschmelze. Die gesundheitlichen, ökologischen und sozioökonomischen Auswirkungen sind bis heute gravierend. Allein in Russland, der Ukraine und Weißrussland kann aufgrund der erhöhten Strahlenexposition mit etwa 9000 zusätzlichen tödlichen Krebs- und Leukämieerkrankungen gerechnet werden.
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2.000-Watt-Gesellschaft

Zu jedem Konzept gehört auch eine Vision und dies könnte die 2.000-Watt-Gesellschaft sein. Bei diesem Modell, entwickelt an der eidgenössischen technischen Hochschule in Zürich, stünden für die Verbraucher künftig nur noch 2.000 Watt Energie zur Verfügung, mit denen sie durch den Tag kommen müssten. Allein in den USA beträgt die Inanspruchnahme der Energieleistung zurzeit etwa 12.000 Watt. In Europa liegt die Grenze bei etwa 6.000 Watt. In Bangladesch und in China liegt der Durchschnitt bei gut 2.000 Watt. Und genau das ist der Wert, welcher die 2-Grad-Zielsetzung sichern kann. Im weltweiten Maßstab ist das nicht mehr und nicht weniger als fair. Trotzdem setzt dieser Ansatz voraus, dass das gesamten Lebensumfeld, eingebettet in die globalen Ziele der Klimapolitik, nachhaltig, klimaneutral und vor allem im Rahmen einer weltweiten Solidarität gestaltet wird. Letzten Endes geht es also darum, den Energieverbrauch aus dem Jahr 1960 mit dem Komfort, den die Gesellschaft von der Zukunft erwartet, zu kombinieren.

Das Projekt „Energiestadt – European Energy Award“ ist ein entscheidender Ansatz zum Gelingen der Energiewende und zur Umsetzung der Vision. Pilotprojekte gibt es bereits in Rheinfelden, Lörrach, Radolfzell, Basel, Zürich und Genf. Vorgesehen ist, dass der Energiebedarf in den Gemeinden mit dem langfristigen Ziel der 2.000-Watt-Gesellschaft schrittweise reduziert wird. Dazu setzen die Projekte nicht nur am Energieverbrauch an, wesentliche Bestandteile sind auch die Entwicklungsplanung, die Sanierung kommunaler Gebäude und Anlagen, Organisation, Versorgung, örtliche Mobilität und Kommunikation.

Dennoch darf die Energiewende nicht dem freien Spiel der Kräfte überlassen werden. Ganz sicher wird eine Energiewende nicht gelingen, wenn jeder nur daran verdienen möchte. Der Investitionsbedarf muss schon in die richtige Richtung gelenkt werden, wenn das gesellschaftliche Projekt Energiewende das verliehen bekommt, was es erfüllen kann: eine globale Relevanz.
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Linkliste zum Thema Energieeffizienz und Ökostrom

https://www.vergleich.org/echter-oekostrom/ - Ökostrom-Vergleich

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